Shakti: Eltern als Anwälte

Zur Feier des 32. IICP-Gründertags am 18. November wurde dieses Seminar zur Eltern-Befähigung (Empowerment) durchgeführt. Damit wird die mögliche Macht – Shakti – von Eltern und ihre bemerkenswerte Rolle in der Entwicklung von Verbänden anerkannt. Alle eingeladenen RednerInnen sind Eltern eines Kindes oder Erwachsenen mit Behinderung. Das Seminar wurde um eine Eröffnungszeremonie und zwei Podiumsdiskussionen herum strukturiert. Hier folgt ein kurzer Auszug aus dem Tagungsband und aus Mitschriften der Reden.

 

Eröffnungszeremonie

Der Ehrengast, Fr. Poonam Natarajan, ist die Vorsitzende der Nationalstiftung und bis vor kurzem die Gründungsvorsitzende von Vidyasagar, der früheren Spastikergesellschaft Indiens, Chennai.

 

Eltern als Anwälte…Vertrauen aufbauen

Die Eltern eines Kindes mit Behinderung haben sehr unterschiedliche Erfahrungen mit ihrem Kind und verdienen eine umfassende Perspektive auf das Kind und seine Bedürfnisse. Ein Kind mit Behinderung zu haben, verändert die eigene Lebenseinstellung.

Besondere Eltern haben daher eine besondere Rolle in der Welt. Die Mutter eines Kindes mit Behinderung sorgt sich darum, dass sein Kind ein unabhängiges Leben führen kann, und benötigt Unterstützungssysteme von der Familie, von der Gemeine und von der Regierung.... Und eine Gemeinschaft, der sie vertraut. Schaffen wir nur einen Dschungel oder eine vertrauende und sorgende Gemeinschaft?

Wir sind hier, um die Spielregeln zu ändern, so dass alle mitspielen und alle gewinnen!

Dennis Waitley hat gesagt „Mit unserem Eintritt in das 21. Jahrhunder werden Erneuerer und Visionäre die Raubtiere und Einschüchterer ersetzen. Unabhängigkeit wird durch Interdependenz ersetzt. Die Gewinner werden die Meister der Kooperation sein, nicht die der Konkurrenz mit Zähnen und Krallen.“

Wir sind hier, um Vertrauen aufzubauen. So wie es die Nationalstiftung tut.

 

Podiumsdiskussion 1: Eltern als Akteure eines sozialen Wandels

ModeratorIn: Veena Lakhumalani, SpezialistIn für Kinderschutz, Cini-Asha (einer Einheit von CINI)

Pix 8837 (l-r) Kalpana Sarkar, Iona Kundu, Veena Lakhumalani, Dilip Khan, Jo Chopra

 

FestrednerIn: Jo Chopra, DirektorIn, Karuna Vihar, Latika Roy Stiftung, Dehra Dun

Eltern als Akteure eines sozialen Wandels!

Führung ist ein Prozess, eine Schöpfung. Man braucht dazu die Fähigkeit

   auf dem Fahrersitz zu sitzen

   abzubremsen

   mit anderen Augen zu sehen

   das ganze Bild in den Blick zu bekommen

   an unterschiedlichen Stellen zu stehen

   die richtigen Fragen zu stellen; und dann den Antworten zuzuhören

   den Blick anderer einzunehmen

 

Iona Kundu, Director, Mentaid

Eltern als Profis

Die Eltern zu schulen, führt dazu:

   noch verwirrter zu werden

   Antworten zu finden

   einen systematischen Ansatz anzunehmen

   Techniken zu lernen

   die Bewältigungsstrategien zu verbessern

Eine Untersuchung zur Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten an Eltern mit 157 teilnehmenden Eltern, die am NIMH durch geführt wurde, führte zu einer Verbesserung der Kommunikation, der Fähigkeitsschulung und der Verhaltensveränderung bei Kindern (Peshwaria, R., 1994)

Also lasst uns den Graben zwischen Professionellen und Eltern überbrücken, indem wir Eltern auch als Profis ansehen!

 

Herr Dilip Kumar Khan, Mitglied der Sahay Eltern-Unterstützungsgruppe

Eltern-Unterstützungsgruppen

Sahay ist der Verband für Eltern mit Kindern, die auf Grund von Cerebralparese behindert sind. Es wäre nicht unpassend, wenn ich die Gefühle der Eltern in Sahay so beschreiben würde, dass die Elternschaft eines Kindes mit Behinderungen mit vielfältigem Stress verbunden ist. Schließlich ist es keine einfache Verantwortung. Durch den vielfältigen Austausch über die Plattform Sahay werden die früheren Gefühle der Ernüchterung, der extremen Isolation und Einsamkeit allmählich zu einem Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit. Dadurch werden uns auch allmählich unsere Möglichkeiten und die unserer Kinder bewusst und wir erkennen weitere Ressourcen – körperliche, emotinale, materielle und hoffen auf die Zukunft.

 

Zu den unterschiedlichen Gründen, Eltern zusammen zu bringen, gehören:

   das Fehlen von Diensten

   die Unzufriedenheit mit Diensten

   Missververhältnis zwischen Bedarf und Angebot

   die Suche nach Lösungen für wichtige Probleme – was geschieht, wenn die Eltern einmal nicht mehr sind?

   die Umsetzung von Gesetzen und der Umgang mit sozialer Ignoranz

   unseren eigenen emotionalen Bedürfnissen genügen

   Informationen und Erkenntnisse austauschen

   eine Plattform für die Entwicklung von Führungs- und Teamentwicklungsfähigkeiten

   Nicht-Regierungsorganisationen helfen

   eine Plattform für deren Stimmen zu schaffen, die bei Gesetzgebungsverfahren und bei Behörden gehört wird

   die Ministerien und Regierungsorganisationen zu überzeugen, die 'Behinderten' zu integrieren

   ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen, indem sie eine Anstellung bekommen

   den Einbezug von Geschwistern zu fördern

 

 

Fr. Kalpana Sarkar, Leiterin des Prerana-Erziehungszentrums

Ein Projekt des Nord-Bengal-Rats für die Behinderten, Siliguri

Bewältungsstrategien von Eltern

Ich denke nicht, dass irgendjemand fähig ist, den Bewältungsprozess zu lehren, aber als Eltern, die auch Profis sind, können wir unsere Sichtweisen austauschen. Ich möchte die Bewältigungsstrategien in drei Kategorien unterteilen – emotionale Regulierung für Eltern und die unmittelbare Familie sowie soziale Regulierung für den Versuch, mit der Gesellschaft zurecht zu kommen; körperliche Regulierung im Sinne von professionellem Rat über die Mobilität und andere Hilfsmittel, Anpassungen im häuslichen Umfeld für eine einfachere Handhabung, ein barrierefreies Umfeld in der Gemeinde; und schließlich ist die finanzielle Regulierung sehr sehr wichtig für die Bewältigung.

 

Ich möchte für die Bewältigung unterschiedlicher Situationen vorschlagen, dass wir keine  Einzellösungen anstreben – manchmal machen wir ganz normale Sachen auf nur geringfügig unterschiedliche Weise. Ich schließe, indem ich sage, dass Wissen, Aufrichtigkeit und Hingabe einen stark machen, und indem ich Tagore zitiere: „Ich bete nicht, dass Du mich vor Ärger in Schutz nimmst, sondern dass Du mich furchtlos machst, wenn ich Schwierigkeiten gegenüberstehe“.


Podiumsdiskussion 2: Die Barrieren für einen sozialen Wandel überwinden

Moderatorin: Fr. Tulika Das, Sekretärin, Sanchar

 

Festrednerin: Fr. Reena Bhandari, Projektleiterin von Stimme und Vision

 (Mit Unterstützung des Hilton/Perkins Programms der Perkins Schule für Blinde, USA)

Träumen wagen

Welche Träume und welches Streben haben wir als Familien für unsere Kinder?

Wir träumen von einem Leben für sie, in dem sie ihre besten Möglichkeiten verwirklichen können, die Wahl haben und ein erfülltes Leben führen können. Wir hoffen, dass sie ihre Rechte als Menschen ausüben und ihre Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft erfüllen, in der sie leben. Können wir als Eltern eines Kindes mit Behinderung die gleichen Träume für unser Kind haben? Können wir anstreben, dass unser Kind seine Stärken entdeckt, die Möglichkeit erhält, ein Leben in Würde und Unabhängigkeit zu leben, und ein aktives Mitglied in seiner Gemeinschaft ist? Können wir wagen, das zu träumen??

Wir haben das Glück, in der heutigen Zeit zu leben, in der es eine weltweite Bewegung für Menschen mit Behinderungen gibt. Wer könnte den Wandel besser vorantreiben, als Familien und Menschen mit Behinderungen als Betroffen??

Wie können wir das machen..

   Nutzung der gültigen Gesetze

   Nutzung von Entschädigungsregelungen

   Ein Erscheinungsbild haben und sichbar sein – Nutzung der Medien, um Druck auszuüben

   Sich mit anderen Behindertengruppen vernetzen

   Vertretung in Regierungsausschüssen und Beratungsgruppen gewährleisten.

   Menschen mit Behinderungen, ihre Familien und gemeinnützige Organisationen sind sehr mächtige Kräfte des Wechsels.

Lasst uns die Initiative ergreifen und sicherstellen, dass wir unsere mögliche Macht nutzen, um positive Veränderungen für das Leben von Menschen mit Behinderungen erreichen.