Sozialskripe und adaptives Spiel: Eine erfolgreiche Kombination!

Caroline Musselwhite

Special Communications

Linda Burkhart

LBurkhart Publications

Gretchen Hanser

University of New Hampshire

Was sind gemeinsam geplante sequentielle Sozialskripte?

Sozialskripte sind Interaktionen wie das Erzählen von Witzen, das Mitteilen von Lebensberichten und allgemeine Gespräche. Sie helfen unterstützt kommunizierenden Menschen über Wünsche und Bedürfnisse hinaus zu kommen und 'echte' Kommunikation im Gespräch einzusetzen. Sie unterstützen SchülerInnen dabei, den Raum für ihre Gesprächsbeiträge einzufordern, sie zu beginnen und aufrecht zu erhalten.

Warum sollte man gemeinsam geplante sequenzielle Sozialskripte einsetzen?

Gemeinsam geplante sequentielle Sozialskripte stellen sicher, dass für unterstützt Kommunizierende – selbst diejenigen mit eingeschränkten Zugangsfähigkeiten häufige, motivierende, selbstinitiierte, unterschiedliche, Interesse zeigende, anhaltende Interaktionen mit mehreren Sprecherwechseln, mit einer Reihe von GesprächspartnerInnen einschließlich Seinesgleichen möglich werden. Zudem sind sie ein Weg, ein Modell für unterschiedliche Kommunikationssituationen bereitzustellen. Und sie sind einfach zu handhaben – man kann sie aus dem Stand anwenden. Das Ziel von Sozialskripen ist es, die SchülerInnen AKTIV an Kommunikationsabläufen zu beteiligen wie:

- Soziale Nähe: 1) Gefühl der Zugehörigkeit (über Fernsehsendungen, Hobbies, Sport etc. sprechen); 2) Persönlichkeit (necken, Bitte zum Markt zu gehen, Streiche); 3) Wahrnehmungen verändern (PartnerInnen helfen zu verstehen, dass unterstützt kommunizierende Menschen ein Gespräch über ein bestimmtes Thema initiieren können, Raum für ihren Beitrag einfordern können, ein gemeinsames Gesprächsthema weiterführen).

- Informationsaustausch: wie z.B. Mitteilungen zwischen Zuhause und Schule („mein Hund ist weggelaufen“) und umgekehrt („wir haben Spinnenlabyrith auf dem Computer gespielt“).

Hinweis: die Pläne sind aus Light & Binger (1998).

Siehe auch AbleNet Power of Vision: Gesprächsreihen für Hintergrundinformationen und Ideen über die Gestaltung und den Einsatz von Sozialskripten:

www.ablenetinc.com/ideas/POV.htm

Planung von Sozialskripten

Anatomie von Gesprächen: Sozialskripte eröffnen SchülerInnen die Möglichkeit, ihren Gesprächsstil zu entwickeln, angefangen damit, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, zu grüßen, einen Gesprächseinstieg zu finden, die eigenen Gespächbeiträge auszugestalten und ein Gespäch zu beenden. Dazu gehören auch viele kommunikative Funktionen (beschreiben, necken, Geschichten erzählen, überzeugen).

Warum Sozialskripte zur Unterstützung von angepasstem Spiel einsetzen?

Viele unterstützt Kommunizierende haben eingeschränkte Möglichkeiten, sich aktiv am Spiel zu beteiligen. Sie sind wegen ihrer körperlichen oder geistigen Einschränkungen oft Zuschauer. Zusätzlich ist es oft schwer, gleichzeitig zu spielen und zu kommunizieren! Das Spiel bietet eine hervorragende Möglichkeit, Ansteuerung und Kommunikation gleichzeitig zu vermitteln, besonders für NutzerInnen von Schaltern!

Kategorien von Spielskripten

Viele Spielskripte gehören in die Kategorie der „Handlungsskripte“ (Musselwhite & Burkhart 2001a). Diese Skripte sind besonders geeignet für AnfängerInnen, die kognitiv oder vom Lebensalter her noch jung sind. Sie binden den Partner in Handlungen ein und die SchülerIn bekommt greifbare Ergebnisse ihrer Kommunikationsversuche. Musselwhite & Burkhart (Musselwhite & Burkhart, 2001b) haben drei Unterkategorien von Handlungsskripten herausgearbeitet:

a) Anfänger-Spielskripte: Sie richten sich an SchülerInnen, die vom Lebensalter oder kognitiv jung sind. Beispiele sind Luftballons, Seifenblasen, Bauklötze.

b) Mittlere Spielskripte: auch sie richten sich an Kinder, die kognitv jung oder Kommunikationsanfänger sind, ihr Schwerpunkt liegt jedoch auf Handlungen, die für ältere SchülerInnen angemessen sind, wie eincremen, schminken oder klatschen.

c) Rollenspielskripte: Diese Skripte sind für SchülerInnen nützlich, die über das konkrete Spiel hinaus zu Fantasiespielen übergehen können. Beispiele sind Puppenspiele, Doktorspiele, Kochspiele und Schulspiele.

d) Schabernack-Skripte: sie sind ideal für ältere SchülerInnen, die bei motivierenden Spielen mitmachen wollen. Beispiele sind: unsichtbare Tinte, Stinkbomben und andere Faschingsutensilien.

Literatur

Light, J. & Binger, C. (1998). Building Communicative Competence with Individuals Who Use Augmentative and Alternative Communication (Kommuniktive Kompetenz für unterstützt kommunizierende Menschen). Paul Brookes Publishing Co, P.O. Box 10624, Baltimore, MD 10624.

Musselwhite, C. & Burkhart, L. (2001). Can We Chat? Co-planned sequenced social scripts: A make it / take it book of ideas and adaptations (bookette) (Können wir quatschen? Gemeinsam geplante sequentielle Sozialskripte: Ein Praxisbuch mit Ideen und Anpassungen). www.aacintervention.com / www.lburkhart.com

Musselwhite, C. & Burkhart, L. (2001b). Sequenced Social Scripts (CD) (Sequentielle Sozialskripte). www.aacintervention.com / www.lburkhart.com

Dieser Text wurde auf der ISAAC Konferenz in Natal, Brasilien 2004 vorgestellt